Die verschiedenen Steuerarten

Anna_GeldregenAnna, jetzt darfst Du echt staunen: in Deutschland gibt es 37 verschiedene Steuerarten.

Sorry, wieso staunen? Sind das nicht 30 zuviel?

Oh, vor Jahren waren es schon mal über 60. Dagegen sind die 37 heutigen Steuerarten ein gewaltiger Fortschritt.

Aber Sie werden jetzt hoffentlich nicht alle einzeln erklären, Herr Minister?

Die Umsatzsteuer

Fotolia_20455444_Subscription_L_by_Natallia-VintsikKeine Sorge, ich werde mich nur mit den wichtigsten befassen. Da fange ich gleich bei der Umsatzsteuer an. Wusstest Du eigentlich, dass Du ständig Umsatzsteuer zahlst?

Ich bin Schülerin, ich zahle überhaupt keine Steuern!

Da bist Du gewaltig im Irrtum, Anna. Wenn Du im Internet eine CD bestellst, im Supermarkt Lebensmittel holst, eine Zeitschrift kaufst oder einen Döner isst, bekommt der Staat immer einen Teil des Geldbetrages ab. Das ist die Umsatzsteuer. Bei fast allen Waren und Dienstleistungen beträgt sie derzeit 19 Prozent des Preises. Bei wichtigen Gütern des täglichen Bedarfs, wie Lebensmittel, Bücher oder Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr sind es sieben Prozent. In vielen Ländern ist der Betrag noch deutlich höher. Die Umsatzsteuer ist die größte Einnahmequelle des Staates. 2014 waren es in Deutschland fast ein Drittel der gesamten Steuereinnahmen, über 203 Milliarden Euro. Allerdings macht die Umsatzsteuer keinen Unterschied zwischen Viel- und Geringverdienern, sie belastet alle gleich – je nach Verbrauch natürlich.

Sag ich doch – echt ungerecht. Aber wenn ich dafür kostenlos in die Schule gehen darf …

Eben, Anna, sag ich doch.

Die Einkommensteuer

Die Bürgerinnen und Bürger müssen auf ihr Einkommen Steuern zahlen, die Einkommensteuer. Besteuert werden dabei gewerbliche oder freiberufliche Einkünfte, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, außerdem Kapitaleinkünfte (insbesondere Zinsen) sowie Renteneinkünfte.

Bei bestimmten Einkünften, wie beim Lohn, wird der Betrag automatisch vom Gehalt abgezogen – das ist dann die Lohnsteuer.

Fotolia_19238483_Subscription_L_by_goldencow_imagesHier geht’s durchaus gerechter zu: die Steuer ist umso höher, je höher das Einkommen ist. Vielverdiener sollen knapp die Hälfte ihres Einkommens abgeben, Geringverdiener nur rund ein Fünftel, zum Teil auch weniger. Das so genannte Existenzminimum für die Familien und die Kinder ist dabei natürlich frei gestellt.

Die Lohnsteuer ist übrigens der zweitgrößte Einnahmeposten bei den Steuern. Im Jahr 2014 nahm der Staat davon rund 168 Milliarden Euro ein, das waren mehr als ein Viertel aller Steuereinnahmen.

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Stimmt es, dass die Lohnsteuereinnahmen umso höher sind, je mehr Leute Arbeit haben?

Genau! Das hast Du Dir gut überlegt, Anna. Überhaupt hängen fast alle Steuereinnahmen ganz eng mit der wirtschaftlichen Lage in Deutschland zusammen. Ist die Wirtschaftslage gut, sprudeln die Steuerquellen. Ist sie schlecht, sinken die Steuereinnahmen.

So hatte zum Beispiel die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 dazu geführt, dass mehr Menschen ihre Arbeit verloren hatten. Wer aber keine Arbeit hatte, bekam auch keinen Lohn und zahlte damit auch keine Lohnsteuer. Da die Leute darüber hinaus weniger Geld zur Verfügung hatten, kauften sie auch weniger ein. Damit sank auch die Umsatzsteuer. Und so kam es, dass Deutschland im Jahr 2009 deutlich weniger Steuern eingenommen hatte als in den Jahren vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Im Jahr 2010 begann sich dann die wirtschaftliche Lage in Deutschland wieder zu erholen. Die Arbeitslosigkeit sank, die Menschen kauften wieder gern und viel ein, und die Steuereinnahmen gingen damit wieder in die Höhe.

Okay, Herr Minister, nun haben Sie mir die zwei wichtigsten Steuerarten erklärt. Welche spielen denn noch eine Rolle?

Fotolia_870913_Subscription_L_by_Franz-PflueglDie Energiesteuer

Auf alle Fälle die Energiesteuer. Die besteuert die Verwendung von Kraft- und Heizstoffen. Also zum Beispiel das Benzin für das Auto oder das Öl für die Heizung der Wohnung.

Bestimmt haben sich Deine Eltern beim Tanken auch schon öfter über die hohen Spritpreise beschwert. Naja, die Steuern machen ja auch einen großen Teil des Spritpreises aus, nämlich über die Hälfte. Denn neben der Energiesteuer muss man auch noch die Umsatzsteuer – die wir ja schon besprochen haben – zahlen.

Von der Höhe her wird der umweltverträglichste Treibstoff am geringsten besteuert. Für Benzin muss man zum Beispiel höhere Steuern zahlen als für Diesel.

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Und weil die Menschen so viel Benzin für ihre Autos und Öl oder Gas für ihre Heizungen brauchen, ist die Energiesteuer mit rund 40 Milliarden Euro pro Jahr die fünftgrößte Steuereinnahmequelle für den Staat.

Ha, und was wäre, wenn alle Menschen nur noch Fahrrad fahren würden, was ja auch viel gesünder und umweltverträglicher ist? Dann hätte der Staat ja nur ganz geringe Einnahmen aus der Energiesteuer!

Das wäre so, Anna. Je weniger Autos, desto geringer der Benzinverbrauch, desto geringer die Einnahmen aus der Energiesteuer. Aber, mal ehrlich, glaubst Du wirklich, dass alle 44 Millionen Personenkraftwagen, die in Deutschland zugelassen sind, von ihren Besitzern verschrottet werden und die Leute zukünftig allesamt nur noch Fahrrad fahren? Realistisch gesehen passiert das nicht, und das weiß auch der Staat.

Die Gewerbesteuer

Eine Steuer möchte ich gern noch anführen, Anna – die Gewerbesteuer. Die ist mir deshalb wichtig, weil sie allein den Kommunen zusteht und zumeist deren wichtigste Einnahmequelle ist.

Goerke_mitZettelMit ihr verhält es sich so: Unternehmen müssen an die Gemeinde, auf deren Gebiet sie ihren Unternehmenssitz haben, Gewerbesteuer abführen.

Warum ist das so?

Wenn Unternehmen sich in einer Gemeinde ansiedeln hat das einerseits positive Effekte, zum Beispiel, dass Arbeitsplätze entstehen. Aber es gibt auch finanzielle Belastungen. Denn die Gemeinden müssen für die Unternehmen Bauland erschließen und Parkplätze schaffen, Straßen bauen und Kinderbetreuungsplätze einrichten. Die Gewerbesteuer soll die finanziellen Belastungen der Gemeinden als eine Art Gegenleistung der Unternehmen für die genannten kommunalen Leistungen ausgleichen.

Und wie hoch ist die Gewerbesteuer?

Ach du meine Güte, Anna, die Berechnung der Gewerbesteuer ist eine ziemlich komplizierte Angelegenheit. Die Einzelheiten will ich Dir hier lieber ersparen. Nur soviel: An der Ermittlung der Steuerhöhe sind sowohl das Finanzamt als auch die Gemeinden beteiligt. Während das Finanzamt einen bestimmten Messbetrag auf Grundlage des Gewinns des Unternehmens berechnet, nimmt die Gemeinde diesen Betrag her und vervielfacht ihn mit einem ganz speziellen Faktor. Dieser Faktor heißt Hebesatz und wird ausschließlich von der Gemeinde selbst festgelegt. Das Ergebnis ist dann die Gewerbesteuerhöhe.

Aha, wie eine Multiplikation: A x B = C. A ist der Finanzamtbetrag, B der Gemeinde-Hebesatz und C die Steuerhöhe?

Genau. Und das Ergebnis ist umso größer, je größer der Multiplikand ist. Ein höherer Hebesatz bedeutet eine höhere Gewerbesteuer, ein geringerer Hebesatz eine geringere.

Und noch etwas: Da jede Gemeinde ihren eigenen Hebesatz festlegt, ist die Gewerbesteuer von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. In Städten ist sie in der Regel höher als in ländlichen Gemeinden.

Anna_halfpipeDie Gewerbesteuereinnahmen stehen vom finanziellen Umfang her an vierter Stelle aller Steuereinnahmen im Jahr 2014. Mit ihnen können die Kommunen zum Beispiel Spiel- und Sportplätze unterhalten, auf denen auch Du, Anna, gern Deine Freizeit verbringst.

Lieber Herr Minister, wie wär’s denn, wenn Sie jetzt damit aufhören, einzelne Steuerarten zu erklären? Ich muss nämlich erstmal die vier verdauen, die Sie gerade erläutert haben.

Fotolia_19772379_Subscription_L_by_Christian-SchwierNa gut, ich hatte Dir ja auch versprochen, mich auf wenige Steuerarten zu konzentrieren.

Doch ich möchte Dir gern noch ein Bild zeigen. Da hab ich noch einmal aufgemalt, welche Steuern es in Deutschland gibt und welchen Anteil am Gesamtsteueraufkommen sie haben. Dabei gilt: je größer die Kugeln, desto höher die Steuereinnahmen.

Du siehst, Anna, was es schon allein für Mühe macht, alle Steuerarten ihrem Größenverhältnis nach auf eine Seite zu bekommen.

Im Jahr 2014 hat Deutschland insgesamt fast 644 Milliarden Euro an Steuern eingenommen – das ist eine Zahl, die Du Dir kaum vorstellen kannst. Aber Du kannst Dir mit Hilfe der Kreise ein annäherndes Bild davon machen, welche Steuern einen besonders hohen Anteil am Gesamtsteueraufkommen haben und welche einen geringeren. Allein Umsatzsteuer und Lohnsteuer zusammen bringen fast 60 Prozent der Gesamtsteuereinnahmen auf die Waage.

Bei manchen Steuern war aber das Aufkommen so klein, dass ich keinen Punkt mehr malen konnte. Deshalb habe ich diese unter „Bagatellsteuern“ zusammengefasst. Wenn Du jedoch das Aufkommen der Steuern genau wissen willst, dann schau Dir die Tabelle an, in der ich die Steuern alle aufgelistet habe.

Aufteilung_Steueranteile_KL2_2015

Aufteilung der Steueranteile 2014

Steuereinnahmen 2014

Steuereinnahmen 2014 (Millionen Euro)
Umsatzsteuer 203.110
Lohnsteuer 167.983
Veranlagte Einkommensteuer 45.613
Gewerbesteuer 43.756
Energiesteuer 39.758
Körperschaftsteuer 20.044
Nicht veranlagte Steuern vom Ertrag 17.423
Ergänzungsabgaben/Solidaritätszuschlag 15.047
Tabaksteuer 14.612
Grundsteuer B 12.308
Versicherungsteuer 12.046
Grunderwerbsteuer 9.339
Kraftfahrzeugsteuer 8.501
Abgeltungsteuer 7.812
Stromsteuer 6.638
Erbschaftsteuer 5.452
Zölle 4.552
Branntweinsteuer 2.060
Rennwett- und Lotteriesteuer 1.673
Sonstige Gemeindesteuern 1.275
Kaffeesteuer 1.016
Luftverkehrsteuer 990
Kernbrennstoffsteuer 708
Biersteuer 684
Schaumweinsteuer 412
Feuerschutzsteuer 409
Grundsteuer A 383
Zwischenerzeugnissteuer 15
Pauschalierte Einfuhrabgaben 2
Alkopopsteuer 1
Vermögensteuer -3
Gesamtsteuereinnahmen 643.617
Quelle: Bundesfinanzministerium und Statistische Bundesamt,
Abweichungen durch Rundungen