Kleiner Ausflug in die Steuergeschichte

Anna-und-Goerke_roemischGab es etwa früher auch schon Steuern?

Und ob! Steuern gibt es schon seit über 5.000 Jahren, seit Menschen in Gemeinschaften leben, in denen sie die notwendigen Arbeiten teilten. Manche betrieben Viehzucht, andere das Handwerk, den Ackerbau oder die Wissenschaften.

Steuern dienten damals vor allem dazu, die Bedürfnisse der Könige und Herrscher zu befriedigen. Diese brauchten Geld für Befestigungen, Soldaten und Prunkbauten. Aber auch Straßen, Brücken und Kanalisation, die allen zur Verfügung standen, wurden aus Steuern finanziert.

gleiche-Steuer_webIm Altertum existierte – sozusagen als Urform der Steuer – der Frondienst, der „Dienst für den Herrscher“. Du weißt bestimmt aus dem Unterricht, dass zum Beispiel beim Bau der ägyptischen Pyramiden tausende Menschen über mehrere Jahrzehnte lang schwer schuften mussten.

Im Römischen Reich dagegen waren Kopfsteuer und Grundsteuer die zwei bedeutendsten Steuerarten. Dafür war sogar das Volk gezählt und der Grundbesitz der Römer erfasst worden.

Und gewiss hast Du auch schon vom so genannten Zehnten gehört, den die Kirche seit dem sechsten Jahrhundert forderte. Die Bauern mussten den zehnten Teil ihrer Ernte an die kirchlichen Herrscher abgeben, die Handwerker den zehnten Teil ihrer Erzeugnisse. Wer nichts abgeben konnte, musste stattdessen Frondienste leisten. Da manche Kirchen unter der Hoheit von Grundherren standen und manche Kirchen selbst Grundherren waren, wurde aus dem kirchlichen Zehnt mit der Zeit eine weltliche Steuer.

Daneben gab es auch noch Kopfsteuern. Das heißt, alle Einwohner eines Gebietes mussten ein- und dieselbe Steuer zahlen. Die Kopfsteuer wurde meist aus speziellem Anlass erhoben, zum Beispiel zur Finanzierung eines Krieges.

Anna_streckt-sich-zur-WaageHallo? Die Armen mussten genau so viel Kopfsteuer bezahlen wie die Reichen?

Ganz genau. Das war natürlich sehr ungerecht und auch sehr problematisch. War nämlich die Kopfsteuer hoch, konnten viele Menschen aus den unteren Ständen die geforderte Summe nicht aufbringen. War die Kopfsteuer aber zu niedrig, waren auch die Gesamteinnahmen zu gering.

Vor allem kam man mit der für alle gleich hohen Kopfsteuer nicht wirklich an das Geld der Reichen heran. Denn für diese spielte ja eine Kopfsteuer, die beispielsweise ein armer Bauer nicht aufbringen konnte, überhaupt keine große Rolle.

Und wie hat man das Problem gelöst?

Nun, zum Beispiel wurde im 17. Jahrhundert in Preußen eine gestaffelte Standessteuer eingeführt, mit der dann immerhin unterschiedlich hohe Kopfsteuern je Stand erhoben wurden. Für Ärmere war die Steuer niedriger als für Reichere.

Anna-6a_web1820 führte Preußen dann eine so genannte Klassensteuer ein, die alle Bürgerinnen und Bürger umfasste. Die Bevölkerung wurde nach ihrem Wohlstand in vier Klassen eingeteilt: 1) besonders reiche und wohlhabende Einwohner, 2) wohlhabende Grundbesitzer und Kaufleute, 3) geringe Bürger und Bauern, 4) Tagelöhner und Gesinde. Die Einteilung der Bevölkerung in Klassen entschied damit auch über die gesellschaftliche Stellung des Einzelnen, doch im Gegensatz zur primitiven Kopfsteuer berücksichtigte die Klassensteuer die Leistungsfähigkeit der Steuerpflichtigen besser.Goerke_hebt-hand

Im Jahre 1851 wurde dann sogar eine einkommensabhängige Steuer für wohlhabende Bürger eingeführt. Alle Bürgerinnen und Bürger, deren Jahreseinkommen über 1.000 Taler betrug, mussten diese Steuer zahlen, während die Klassensteuer weiterhin für jene galt, die weniger als 1.000 Taler im Jahr verdienten.

40 Jahre später, 1891, gab es in Preußen eine große wichtige Steuerreform. Mit ihr trat eine einheitliche Einkommensteuer an die Stelle der Klassensteuer und der einkommensabhängigen Steuer für Wohlhabende. Mit dieser Steuer wurde unter anderem ein steuerfreies Existenzminimum und erstmals eine Steuerprogression eingeführt.

Anna_fragezeichenExistenzminimum? Steuerprogression? Was ist das denn nun wieder?

Als Existenzminimum oder auch Notbedarf bezeichnet man die Mittel, die notwendig sind, um zu überleben; dies sind vor allem Nahrung, Kleidung, Wohnung und eine medizinische Notfallversorgung.

Progression heißt, dass sich der Steuersatz mit wachsendem Einkommen erhöht. Diejenigen mit größeren Einkommen sollen anteilig mehr tragen als jene mit kleinem Einkommen. Das heißt, es geht schon etwas gerechter zu. Unsere heutige Einkommensteuer baut übrigens immer noch teilweise auf dem preußischen Gesetz von 1891 auf.

Nebenbei gesagt: Hessen und Sachsen waren noch schneller als Preußen. Sie hatten bereits 1869 beziehungsweise 1874 eine allgemeine Einkommensteuer. In Deutschland gab es steuerlich nämlich ein ziemliches Durch- und Nebeneinander – es gab insgesamt 27 Landeseinkommensteuern.

Erst 1920 wurden diese einzelnen unterschiedlichen Ländersteuern durch eine einheitliche Reichseinkommensteuer ersetzt.

61541_R_by_Hardy_pixelio_nachlinksUnd wer erhält heute die Einnahmen aus der Einkommensteuer?

Heute erhalten die Gemeinden 15 Prozent der jährlichen Einkommensteuer, dem Bund und den Ländern gehört der verbleibende Rest je zur Hälfte.

Und dabei geht es um eine ganze Menge Geld, denn die Einkommensteuer ist neben der Umsatzsteuer die größte und bedeutendste Einnahmequelle nicht nur des Bundes, sondern auch der Länder und der Gemeinden.

So, Anna, nun hab’ ich Dir eine ganze Menge aus der Geschichte der Steuern erzählt. Es reicht Dir doch jetzt bestimmt, oder?

Karrikatur: Anna am Schreibtisch

Naja, die vielen Jahreszahlen und Begriffe waren schon echt öde, sorry. Haben Sie nicht noch was Spannendes aus der Steuergeschichte auf Lager? Oder sogar was Lustiges?

Na klar, was denkst Du denn! Deine Eltern haben doch auch ein Auto. Ob Du es glaubst oder nicht, die Kfz-Steuer, die sie darauf zahlen müssen, hat ihren Ursprung bereits im Mittelalter.

Goerke_Peruecken-BaerteDenn um über bestimmte Wege oder Brücken fahren zu können, musste damals ein so genannter Zoll bezahlt werden. Und stell‘ Dir vor, die Höhe dieses Wege- oder Brückenzolls richtete sich nach der Anzahl der Wagenräder. Für einen zweirädrigen Karren musste also weniger gezahlt werden als für einen vierrädrigen Pferdewagen. Später verlangte man dann auch eine Luxussteuer auf Pferde und Kutschen. Und als dann im 19. Jahrhundert die Fahrräder erfunden worden waren, erhoben zum Beispiel Deutschland, Frankreich und Italien alsbald sogar eine Fahrradsteuer.

Und kaum hatten Gottlieb Daimler und Carl Benz 1886 das erste Automobil entwickelt, ließ auch die Steuer nicht lange auf sich warten. Schon dreizehn Jahre später – 1899 – gab es in Hessen-Darmstadt eine spezielle Steuer auf Motorfahrzeuge. 1922 trat dann das erste Kfz-Steuergesetz in Kraft.

Ich habe Dir auf der nächsten Seite mal in einer Tabelle einige kuriose Steuern zusammengestellt, die es in der Vergangenheit gegeben hat. Da ist auch manches Lustige dabei, zum Beispiel die Perückensteuer, die Bartsteuer oder die Spatzensteuer.

Was es alles gab: Abgeschaffte Steuern

Bartsteuer Zar Peter von Russland führte die Steuer 1698 ein, die den Männern das Tragen eines Bartes verbot. Gegen eine Steuer konnte dieses Verbot aufgehoben werden.
Dachsteuer Österreich erhob im 18. Jahrhundert eine Steuer, abhängig von der Dachgröße.
Fahrradsteuer Frankreich, Italien und Deutschland erhoben Ende des 19. Jahrhunderts diese Steuer. Sie ist der Vorläufer der Kraftfahrzeugsteuer.
Fenstersteuer Großbritannien und Frankreich erhoben eine Steuer auf die Anzahl der Fenster eines Hauses; 1851 wurde sie abgeschafft.
Jungfernsteuer In Preußen waren zu Beginn des 18. Jahrhunderts unverheiratete Frauen im Alter von 20 bis 40 Jahren zahlungspflichtig.
Leuchtmittelsteuer Verschiedene europäische Länder (Deutschland von 1909 bis 1993) besteuerten den Verkauf von Glühlampen. Bis zur Erfindung der Elektrizität wurde sogar der Verbrauch von Kerzenwachs besteuert.
Perückensteuer Preußen verlangte für das Tragen von Perücken von 1698 bis 1717 Steuern.
Salzsteuer Verbrauch und Handel von Salz wurden in fast allen Staaten der Welt besteuert. In Deutschland wurde die Salzsteuer erst 1993 wieder abgeschafft.
Spatzensteuer Verschiedene deutsche Länder (Hannover, Württemberg) erhoben im 18. Jahrhundert eine Steuer zur Beseitigung der Sperlinge. Die Steuer wurde fällig, wenn keine toten Spatzen abgeliefert wurden.
Zuckersteuer Verbrauch und Handel von Zucker wurden ebenfalls in fast allen Staaten der Welt besteuert. In Deutschland wurde die Zuckersteuer erst 1993 abgeschafft.
Zündholzsteuer Der Verbrauch von Zündwaren (Streichholz, Feuerzeug) wurde in verschiedenen Ländern besteuert. In Deutschland wurde die Steuer 1981 abgeschafft.
Heiratsteuer Die Stadt Kassel richtete 1720 diese Steuer zur Finanzierung eines Gefängnisses ein.
Fräuleinsteuer In Mecklenburg wurde damit die Aussteuer der fürstlichen Prinzessinnen finanziert.