Etwas über die Geschichte der Kommunen

Karrikatur: Görke mit erhobenen Finger

Oh, da müssen wir mehrere Jahrhunderte zurück gehen, bis in das ganz frühe Mittelalter zu den Dörfern. Dort liegt der Anfang der Kommunen. Die damaligen Dörfer bestanden nur aus wenigen Häusern, die einzeln und weit entfernt voneinander standen und jeweils von Feld, Wiese oder Wald umgeben waren. Die Einwohner waren Bauern, die das Dorf wieder verließen und einen neuen Wohnsitz suchten, wenn dem Boden alle Nährstoffe entzogen waren. Deshalb kamen zu dieser Zeit auch keine größeren Ortschaften zustande.

Karrikatur: Anna schaut nach links

Und wieso soll das dann der Anfang der Kommunen sein?

Na, die Dorfbewohner regelten ihre Angelegenheiten in gewissem Maß bereits selbst. Sie kamen regelmäßig zusammen – meist unter freiem Himmel bei einer Linde – und trafen dort gemeinsam Entscheidungen über ihre dörfliche Gemeinschaft, zum Beispiel zur Nutzung der öffentlichen Flächen. In gewissen Grenzen wurde sogar die Gerichtsbarkeit ausgeübt. Das waren durchaus frühe Formen kommunaler Selbstverwaltung.

Karrikatur: Paul mit Schal

Und wie ging es dann weiter? Wo kamen dann die Städte her?

Im Hoch- und Spätmittelalter lernten die Bauern die Dreifelderwirtschaft beherrschen und konnten deshalb sesshaft werden. Damit wurden auch ihre Siedlungen größer. Gleichzeitig entwickelten sich aus günstig gelegenen Orten größere Städte, meist an Flussübergängen und dort, wo sich Handelsstraßen kreuzten.

Und wie sahen diese Städte aus?

Die Wohnhäuser lagen außerordentlich dicht beieinander und waren von einer Stadtmauer umgeben, die die Bewohnerinnen und Bewohner vor Angriffen schützte. Auch dieses Schutzes wegen siedelten sich in den Städten viele Handwerker und Kaufleute an. Dazu zog es auch Leibeigene in die Städte. Wenn nämlich ein Leibeigener genau ein Jahr und einen Tag in einer Stadt gelebt hatte, ohne dass sein Herr ihn fand, war er frei. Aus dieser Zeit stammt auch der bekannte Spruch “Stadtluft macht frei”. Wer das Bürgerrecht erworben hatte, durfte innerhalb der Stadtmauern leben und die Vorteile des Stadtlebens auskosten. Die so genannten Stadtbürger waren Handwerker, Kaufmänner, Adlige oder Männer der Kirche. Dadurch erstarkten die Städte wirtschaftlich, kamen zu Wohlstand und wurden zu Zentren wirtschaftlicher, künstlerischer und geistlicher Entwicklung. Verbunden damit bildeten sich verschiedene Stadtrechte heraus. Die wichtigsten waren das Marktrecht, das Münzrecht und das Recht, die Stadt mit starken Mauern zu befestigen. Die städtische Verwaltung umfasste unter anderem das Schulwesen, die Steuererhebung und die Gesundheitspflege.

Aber irgendwie ging es doch nicht automatisch so weiter mit dem Wachsen der Städte, oder?

Karrikatur: Paul mit Fliege

Richtig, Paul. Der Dreißigjährige Krieg machte der starken Rolle der Städte (vorläufig) ein Ende, denn sie litten schwer unter den verheerenden wirtschaftlichen Auswirkungen dieses langen Krieges. Durch die Erfindung und den Einsatz von Schießpulver und Kanonen konnten darüber hinaus die Stadtmauern keinen Schutz mehr garantieren. Die Macht verschob sich in Richtung Kaiser und der jeweiligen Landesherren.

Moment mal! Ich kann mich nicht genau erinnern, aber in Geschichte hatten wir mal über irgend so eine
Städteordnung gesprochen, damit ging es doch wieder aufwärts für die Kommunen.

Karrikatur: Goerke, sitzend, lesend

Genau. Mit der preußischen Städteordnung von Freiherr Carl von und zum Stein im Jahr 1808 kam es tatsächlich zur Wiedererstarkung früherer Städterechte. Die Städteordnung dieses Staatsmannes gilt sogar als Vorläufer moderner kommunaler Selbstverwaltung. Er hat jedenfalls einen genialen Kompromiss zwischen den Städten und den Landesherren gefunden: Die kommunalen Aufgaben wurden eingeteilt in solche für die eigenen Angelegenheiten und in solche, die den Städten von den Landesherren übertragen wurden. Diese Einteilung in Selbstverwaltungsangelegenheiten und Auftragsangelegenheiten ist auch heute noch üblich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das kommunale Selbstverwaltungsprinzip dann sogar im Grundgesetz der Bundesrepublik verankert. Und in den Bundesländern wurden zur Regelung des Kommunalrechts eigene Gesetze erlassen, die Gemeindeordnungen oder Kommunalverfassungen. Auch Brandenburg hat selbstverständlich eine Kommunalverfassung.

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