Was Investitionen sind …

Karrikatur: Anna schaut nach links

Na dann rücken Sie mal damit raus, was Investitionen sind, Herr Minister. Ich bin auf alles gefasst.

Goerke_hebt-handDas Wort „Investition“ hast Du ja bestimmt schon oft gehört oder gelesen. Es geistert ja nahezu täglich durch Funk und Fernsehen, durch Internet und Zeitungen. Aber wollen wir uns vielleicht erstmal mit Beispielen befassen bevor ich Dich mit der offiziellen Definition nerve?

Gute Idee, das macht mehr Spaß als nur trockene Erläuterungen vorgesetzt zu bekommen!

Dann nehmen wir mal an, Du bist eine Investorin, also eine Person, die ihr Geld einsetzen will. Ich könnte auch sagen, in etwas hineinstecken will.

Aber, ey, ich hab doch gar kein Geld!

Nun, Du könntest Dir etwas borgen, aber besser wäre es, wenn Du zum Geburtstag von der Oma 50 Euro geschenkt bekommen hättest.

Boah! 50 Euro! Nicht schlecht!

So, und jetzt überlege, was Du mit diesem Geld alles anstellen könntest …

Juhu! Ich lade meine Freundinnen in die Eisdiele ein und wir schlemmen mal so richtig lecker Eisbecher!

Interessant, Anna, was Dir so als erstes eingefallen ist. Eis essen. Naja.

Was gefällt Ihnen daran denn nicht?

Oh, das finden wir später gemeinsam heraus. Aber, jetzt denk’ einfach nochmal nach: wie könntest Du das Geld außerdem verwenden?

MP3-playerNaja, ich könnte einen MP3-Player kaufen. Ich habe nämlich noch keinen, würde aber gern Musik hören, immer, wenn ich will. Und wenn ich mit meinen Freundinnen um die Häuser ziehe. Das wär’ echt cool.

Aha, das klingt gar nicht schlecht. Aber welche Möglichkeiten hast Du noch, Dein Geld einzusetzen?

Ich könnte die 50 Euro auch auf die Sparkasse bringen. Darüber würde sich meine Oma bestimmt freuen. Die sagt nämlich immer, dass ich sparen soll.

Ja, die Omis mit ihren Lebensweisheiten. So unrecht haben die nicht.

Anna mit Skateboard linksIch könnte aber auch den Malkurs bezahlen, in den ich schon immer gehen wollte. Oder Mama ’ne Freude machen und Pflanzen für den Garten holen. Oder die Tribute von Panem kaufen. Oder ein Skateboard anschaffen …

Nun mal langsam, Anna. Vorschläge hast Du schon genug gemacht. Jetzt sortieren wir mal ein wenig. Vergleiche doch mal Deine drei ersten Vorschläge miteinander: Eis essen, MP3-Player, Sparkasse.

Karrikatur: Anna genervt

Sortieren? Vergleichen? Also menno …

Ja. Frag Dich doch bitte, was mit Deinem Geld in den drei genannten Fällen geschieht …

Ist doch easy. Nach dem Eis essen ist mein Geld weg.

Und was hast Du von diesem Geldeinsatz?

Fotolia_8104505_Subscription_L__by_Klaus-EppeleWie? Na, es schmeckt voll lecker.

Und wie lange hält das an?

Was ist das denn für ’ne blöde Frage? Das hält gar nicht an. Wenn der Eisbecher leer ist, ist er leer, da kann doch dann nichts mehr lecker schmecken. Und das Geld ist alle.

Und nun sag an, was geschieht mit dem Geld beim MP3-Player-Kauf?

Naja, da ist mein Geld auch alle. Aber ich habe dafür einen Player. Fast so als hätte ich getauscht. Nicht so wie beim Eis essen, da war das Geld bloß weg.

Oho, Anna, nicht schlecht. Beim Player-Kauf wandelst Du Dein Geldvermögen in Sachvermögen um. Früher hattest Du keinen Player, aber Geld. Jetzt hast Du zwar kein Geld mehr, aber dafür den Player. Aber noch zwei Unterschiede zum Eis essen gibt es. Findest Du sie heraus?

Null Problem, haha! Mit Geld kann ich keine Musik hören, aber mit dem Player!

Korrekt. Und was noch?

Mir fällt nichts mehr ein.

War das Eis essen nicht zu schnell vorbei?

Karrikatur: Anna geht ein Licht auf

Wow! Ich hab’s geschnallt. Mit dem Player kann ich auch morgen noch Musik hören. Und in einem Monat. Und in einem Jahr …. Immer, wenn ich Lust habe.

Anna-entscheidungGenau. Ich stelle fest und drücke das mal so aus: Du hast ganz eindeutig mit dem Einsatz Deines Geldes in den Player-Kauf einen Gewinn erzielt. Allerdings einen, der nicht in Geld gemessen wird, sondern in Deinem Wohlbefinden. Und der außerdem noch lange anhält, denn Du wirst lange Zeit Freude am Musikhören haben.

Cool. Meine Investition in den Player hat also mehr Vorteile als das Geld nur zu verfressen.

Ganz genau. Und jetzt sage mir noch, was passiert mit Deinem Geldeinsatz bei der Sparkasse.

Meine Oma sagt, ich soll sparen, damit ich Geld habe, wenn ich es mal dringend brauche. Die hat da ’nen irren Spruch drauf, über den ich feixen muss: „Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not“. Ich habe doch keine Not.

So unrecht haben die Omis damit aber nicht.

Mein Geld ist jedenfalls nicht weg. Es liegt auf dem Sparbuch und wird sogar immer bisschen mehr – sagt Oma – denn ich bekomme Zinsen darauf. Es ist auch morgen noch dort, und in einem Monat, und in einem Jahr … Und wenn ich es brauche …

Und wenn Du es dringend benötigst, dann kannst Du darauf zurück greifen. Du hast damit folglich eine Sicherheit für später.

Emma-eisIch hab’s gepeilt. Auch das ist besser als sich nur den Bauch voll zu schlagen. Nur etwas ist echt schwierig, Herr Minister Görke, das müssen Sie zugeben. Wenn ich mehrere Möglichkeiten habe, in die ich mein Geld hineinstecken kann, welche soll ich denn da wählen?

Tja, Anna, das ist tatsächlich schwierig. Aber Du kommst um eine Entscheidung nicht drumherum. Alle Möglichkeiten zu bekommen, dafür reicht Dein Geld nicht. Wenn ich Dir deshalb einen Rat geben darf: Das wichtigste bei Deiner „Investitionsentscheidung“ ist, dass Du Dir vorher intensiv überlegen musst, was Dir am meisten am Herzen liegt, was Dein Ziel ist.

Eis essen. Oder über lange Zeit Musik hören und Freude daran haben. Oder besser das Geld sparen und vermehren, damit ich die Moneten später verwenden kann.. Boah ey, schwierig, schwierig.

Du siehst, dass es schon in Deiner „kleinen“ Welt nicht einfach ist, die richtige Entscheidung zu treffen. Noch komplizierter wird es bei
Investitionen in der „großen“ Welt, also in Wirtschaft und Gesellschaft.

Klaro, da geht es doch bestimmt nicht nur um 50 Euro.

Da geht es um Millionen, oft sogar um Milliarden. Und um die Folgen für viele Menschen. Die Wirkungen sind positiv, wenn Investitionen gut vorbereitet und durchgeführt werden. Manchmal aber auch negativ, wenn man das versäumt oder wenn man, aus welchem Grund auch immer, ein falsches Ziel definiert. Damit wird es Zeit, dass wir Deine „kleine“ Welt verlassen. Vergiss aber nicht, was uns Deine Beispiele gelehrt haben, das gilt nämlich auch für die „große“ Welt:

1 Bevor Geld in eine Investition gesteckt wird, muss gründlich überlegt werden, was ihr Ziel ist, was mit ihr und durch sie bezweckt werden soll.

2 Der Vorteil einer Investition muss nicht nur in der Vermehrung des eingesetzten Geldes bestehen. Zahlreiche Investitionen zielen nicht nur auf unmittelbaren Geldgewinn ab, sondern auch auf langfristigen Geldgewinn, zum Beispiel die Investitionen in die Bildung, Gesundheit und Kultur.

3 Investitionen sollen nachhaltig sein, die Bedürfnisse der heutigen Menschen befriedigen und jene zukünftiger Generationen nicht gefährden. Dabei soll nicht mehr Geld, Material und Energie verbraucht werden als auf lange Sicht zur Verfügung steht.

IMG_0867b