Etwas mehr über die EU

Karrikatur: Anna schaut nach rechts

Langsam, langsam, Herr Christoffers. Nicht, dass ich was gegen Geld hätte – im Gegenteil, da geht es mir genau wie dem Finanzminister. Aber ich höre grad immer die Erwachsenen von einer Krise der EU reden. Können Sie mir nicht erstmal etwas mehr über die EU erzählen? Herr Markov kann ja inzwischen eine Tasse Kaffee trinken gehen und zurück kommen, wenn wir beim Geld wieder angelangt sind.

Karrikatur: Christoffers

Klar, kann ich das, Anna, ich mach das sogar gern. Also: Der Ursprung der heutigen Europäischen Union (EU) liegt bereits im Jahr 1951, wenige Jahre nachdem mit dem 2. Weltkrieg eine Zeit furchtbaren Tötens und Zerstörens zu Ende gegangen war. So ein schreckliches Ereignis sollte sich niemals wiederholen. So kam es, dass einige Länder Europas beschlossen, auf ihrem Kontinent näher zusammen zu rücken und für ein friedliches und einiges Europa zu sorgen. Diese Länder waren Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande. Diese Länder, die im Krieg gegeneinander gekämpft hatten, stellten sich nun ein gemeinsames Ziel: Die friedliche Zusammenarbeit zuerst bei der Kohle- und Stahlindustrie, dann bei der friedlichen Nutzung der Atomenergie, später bei vielen wirtschaftlichen Fragen.

Seither sind mehr als 60 Jahre vergangen und in diesen Jahren ist Europa – Schritt für Schritt – politisch mehr und mehr zusammen gewachsen. Aus den einst sechs Gründungsstaaten der Europäischen Gemeinschaften ist heute eine Union von 28 Ländern geworden. In der Tabelle siehst Du, in welchen Jahren sich die EU um welche Länder erweitert hat.

Kurze Geschichte der Erweiterung der EU
1951 6 Länder Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande
1973 9 Länder Hinzu kommen Dänemark, Irland und Großbritannien
1981 10 Länder Hinzu kommt Griechenland
1986 12 Länder Hinzu kommen Portugal und Spanien
1995 15 Länder Hinzu kommen Finnland, Österreich und Schweden
2004 25 Länder Hinzu kommen Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien,
die Tschechische Republik, Ungarn und Zypern
2007 27 Länder Hinzu kommen Bulgarien und Rumänien
2013 28 Länder Kroatien kommt hinzu
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EU-Länder

28 Länder, das sind ja ganz schön viele. Ich war sogar schon mal mit meinen Eltern in England. Und einmal in Bulgarien. Da gibt es aber große Unterschiede zwischen den beiden. Kann denn das gut gehen?

Karrikatur: Markov mit erhobenen Finger

Vielleicht darf ich schnell antworten, bevor ich Kaffee trinken gehe. Deine Beobachtung ist richtig, Anna, die Wirtschaftskraft der einzelnen EU-Mitgliedsländer ist sehr unterschiedlich. Es gibt wirtschaftlich starke Länder wie Deutschland. Es gibt aber auch wirtschaftlich schwache Mitglieder wie Griechenland. Doch wie es sich für eine gute Gemeinschaft gehört, helfen in der EU die stärkeren Länder den schwächeren. Und jetzt geh ich schnell Kaffee trinken!

Karrikatur: Christoffers meldet sich

Dann bin ich jetzt wieder dran, ich bin ja auch der Europaminister. Es ist nämlich so, dass sich die EU-Länder trotz der Unterschiede in der Wirtschaftskraft und bei den Interessen in ihren Zielen einig sind. Diese sind zum Beispiel:

  • Allen EU-Ländern soll es wirtschaftlich gut gehen.
  • In Europa und der Welt soll Friede sein.
  • Alle in der EU lebenden Menschen sollen gleiche Grundrechte und Grundfreiheiten haben.

Naja, die Ziele sind ja gut, da kann nicht mal ich meckern. Aber kann es sein, Herr Europaminister
Christoffers, dass es schwierig ist, diese Ziele auch zu erfüllen? Besonders das eine, dass sich alle Länder wirtschaftlich gut entwickeln können? Da bin ich nämlich voll misstrauisch!

Natürlich gibt es Schwierigkeiten, teilweise große. Aber das ist in gewissem Maße normal. Oder sind in Deiner Klasse immer alle einer Meinung?

Du meine Güte, nein! Schon mein Freund Paul und ich streiten öfters mal. Aber wir vertragen uns auch wieder.

Eben. Und in einer Klasse handelt es sich „nur“ um Kinder. In der EU geht es aber um Länder, das macht es viel schwieriger. Dazu kommt, dass gemeinsame Entscheidungen immer komplizierter wurden, je mehr Länder zur EU hinzukamen. Anfangs, mit nur wenigen Mitgliedsländern, da konnte man sich schneller einig werden. Aber mit 28 Ländern? Wie Du Dir denken kannst, hatten alle ihre eigene Meinung. Man brauchte also dringend neue Spielregeln für das gemeinsame Handeln dieser vielen Staaten. Diese Regeln stehen im Vertrag von Lissabon, der 2007 von den Ländern unterzeichnet wurde – und 287 Seiten hat.

Joi, joi, joi! Ein Glück, dass ich die 287 Seiten nicht lesen muss! Na vielleicht später mal, wenn ich Europaministerin bin … Nun möchte ich aber wissen, wie das alles in Wirklichkeit aussieht. Also: wie helfen denn die wirtschaftlich stärkeren Länder den schwächeren? Da geht es doch bestimmt um Geld. Und bestimmt gibt es da ein Wetteifern zwischen den Ländern.

Karrikatur: Markov kommt angerannt

Geld? Hat hier jemand von Geld gesprochen? Bei Geld bin ich gefragt, der Finanzminister. Ich eile ja schon! Hab’ doch bloß einen Kaffee getrunken. Rumms! Da bin ich.

Fotolia_38979977Herrje, der Finanzminister! Du musst Dich nicht derart beeilen, noch sind wir nicht bei den Brandenburger Finanzen, sondern immer noch direkt bei der EU. Anna hat gefragt, auf welche Weise die starken EU-Länder den schwächeren helfen. Und richtig vermutet, dass es dabei vor allem um Geld geht und wofür es ausgegeben werden darf. Womit wir beim Haushalt der Europäischen Union angelangt sind. Oder siehst Du das etwa anders, lieber Finanzminister Helmuth Markov?

Nee, Europaminister Ralf Christoffers. Leg einfach los!